Baumschnitt und Baumfällung mit speziellen Kletter- und Steigtechniken

08.05.2015 |  Von  |  Steigtechnik
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Baumschnitt und Baumfällung mit speziellen Kletter- und Steigtechniken
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Bäume sind ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens. Alle sind nützlich – nicht nur die, deren Holz wir verbauen und deren Früchte wir ernten. Bäume in Siedlungsgebieten brauchen viel Aufmerksamkeit und Pflege, damit sie schön und vital bleiben und keine Gefahr für Menschen darstellen.

Baumschnitt und Baumfällarbeiten sind Profiarbeit. Wenn Standort oder Zustand des Baums den Einsatz von Kränen, Hebebühnen oder Leitern verbieten, gehen die Experten mit einer speziellen Klettertechnik zu Werk.

Bäume gehen jeden an

Bäume sorgen für frische Luft, bieten vielen Tieren ein Zuhause und erfreuen Herz, Geist und Sinne des Menschen. Ihre Farben, ihr Geruch, ihre schönen Bewegungen im Wind und natürlich ihre mannigfaltigen Geräusche können uns inspirieren, beleben, beruhigen und trösten. Holz ist ein natürlicher, nachwachsender Rohstoff, der sich wunderbar verarbeiten lässt und auch Jahre nach der Verarbeitung noch warm und lebendig bleibt. Obstbäume gehören zu den ältesten Freunden und Freuden des Gärtners.

In der Poesie sind das Pflanzen, Wachsen, Schneiden und Fällen von Bäumen starke und weitreichende Symbole, die schon Grundschüler intuitiv begreifen. Der Poet, der sich in starken Bildern über einen Baum verbreitet, kann praktisch nichts falsch machen, so gross ist seine potenzielle Zielgruppe. Dagegen ist die praktische und professionelle Beschäftigung mit einem Baum stark von prosaischen Elementen geprägt. Hier geht es zwar auch oft um Ästhetik, aber vor allem um Sicherheit – und unter diesem Aspekt betrachtet kann mit Bäumen einiges schiefgehen.

Professionelle Baumpflege in Gärten und Siedlungsgebieten

Der Baumbestand in Ortschaften, vor allem der im öffentlichen Bereich, ist den zuständigen Behörden bestens bekannt. Die Kommunen sind verantwortlich für die regelmässige Sichtung, Kontrolle und Pflege ihrer Bäume. Alter Baumbestand in Parks und Alleen, auf Kirch- und Friedhöfen etc. soll so lange wie möglich in Ruhe, Würde und Schönheit weiter altern. Neue Bäume werden gepflanzt und brauchen in ihrer Jugend Stützen und Schutz vor Tieren, parkierenden Autos und mutwilligen Menschen.

Nur in eigens dafür bestimmten Waldgebieten (Banhölzern) greift der Mensch nicht in die natürlichen Prozess des Baumlebens und Baumbestands ein. Hier bleiben tote Bäume beispielsweise stehen, bis sie von selbst umfallen, und dürfen dann dort verrotten, wo sie landen. Das geht in Ortschaften und Gartenanlagen nicht, denn hier stellen bruch- oder umsturzgefährdete Bäume eine erhebliche Gefahr für Leib und Leben dar.

Durch enge und dichte Bebauung sowie moderne und wachsende Infrastrukturen ist es erforderlich, immer wieder in das Baumwachstum einzugreifen. Nur so bleiben Bäume in der Nähe von Menschen und Gebäuden verkehrssicher und können an ihrem Standort lange stehenbleiben. Abgestorbene, stark beschädigte, kranke oder gefährliche Bäume müssen entweder stabilisiert oder gefällt werden. Vitale Bäume kommen mit dem richtigen Schnitt in ihre schönste Form und bleiben dank kontinuierlicher Pflege länger gesund.

Kronenpflege und Kronensicherung

Arbeiten an der Baumkrone, etwa ein Kronenschnitt oder die Kronensicherung, erfordern Fachkenntnis und Feingefühl. Sie müssen immer den Bedürfnissen und dem Standort des Baumes angepasst werden. Es gilt, den Habitus des Baums, also sein äusseres Erscheinungsbild, entweder in Bestform zu bringen oder zu retten, was zu retten ist.


Gibt es ausreichend sicheren Standplatz beim Baum, können die Baumprofis mit Hubarbeitsbühnen anrücken.  (Bild: © Rob van Esch - shutterstock.com)

Gibt es ausreichend sicheren Standplatz beim Baum, können die Baumprofis mit Hubarbeitsbühnen anrücken. (Bild: © Rob van Esch – shutterstock.com)


Bei der regelmäßigen Kronenpflege werden je nach Baumart altes Holz (Dürrholz) oder junge Triebe entfernt. Tote Äste und Zweige sind nicht nur besonders bruch- und absturzgefährdet, sondern schwächen auch den Baum und wirken sich negativ auf sein Erscheinungsbild aus. Oft nutzt der Baum nach der Dürrholzentfernung den entstandenen Freiraum, um dort wieder neue Triebe auszubilden.

Kronenschnittmassnahmen werden auch durchgeführt, wenn ein Baum den Menschen oder anderen Bäumen zu viel Licht wegnimmt oder zu weit über die Grundstücksgrenzen hinausragt. Dynamische und statische Kronensicherungen helfen instabilen oder stark der Witterung ausgesetzten Bäumen, weiterhin Wind, Schneelasten und dem Zahn der Zeit standzuhalten.

Zur dynamischen Sicherung einer Baumkrone kommen elastische Gurtsysteme oder Seile zum Einsatz. Damit werden zu weit ausladende, ausriss- oder abbruchgefährdete Äste stabilisiert und die Balance des Baumes verbessert. Die statische Kronensicherung hat den Zweck, bereits entstandene Gefahren zu minimieren. Schadstellen, z. B. durch Sturm oder Schneelast angebrochene Äste, werden mittels Seilen, Gurten, Verschraubungen und Manschetten gesichert, um sie bestmöglich an weiteren gefährlichen Bewegungen zu hindern und die Unfallgefahr zu begrenzen.

Die Arbeitsgeräte der Baumpfleger

Gibt es ausreichend sicheren und ebenen Standplatz beim Baum, können die Baumprofis mit Lastern, Kränen, Hubarbeitsbühnen und spezieller Steigtechnik, etwa grossen Stand- und Bockleitern, anrücken. Damit ist es unter günstigen Bedingungen möglich, direkt und ohne Berührung des Baumstamms bis in die Baumkrone vordringen und dort die erforderlichen Schnitt- und Sicherungsarbeiten durchzuführen. Neben verschiedenen Leitertypen können auch Steigeisen verwendet werden, um direkt am Stamm hochzuklettern oder sich auf einem stabilen Ast weiter nach oben oder aussen vorzuarbeiten.

Bei eng umbauten Bäumen oder Exemplaren, die an Hängen stehen, ist es schwer oder gar nicht möglich, einen Hubsteiger, eine Arbeitsbühne oder die Ausleger des Krans sicher zu platzieren. Bäume in steilem, unzugänglichem Gelände, zwischen Häusern oder in verwinkelten Gärten sind mit Fahrzeugen oft gar nicht zu erreichen und dürfen zudem, wenn sie gefällt werden müssen, nicht einfach umfallen bzw. gelegt werden. Schon das Herunterwerfen bzw. Fallenlassen eines abgesägten Astes muss hier genau nach Plan geschehen, damit das schwere Holz keine Schäden anrichtet.

Baumpfleger, die eine besondere Ausbildung in entsprechenden Seilklettertechniken absolviert haben, finden auch in schwierigen Situationen einen Weg, den Baum zu besteigen. Die Seile und Gurtsysteme werden dabei so gespannt und befestigt, dass sie einen empfindlichen Baum, der nicht gefällt werden soll, nicht verletzen oder belasten. Zum Fällen von schwierigen oder gefährlichen Bäumen kommen ebenfalls Klettertechniken wie die Seilklettertechnik zum Einsatz. Sie erlauben es, einen Baum, der nicht umfallen darf, sicher Stück für Stück von oben nach unten abzutragen.

Auch die fachgerechte Entsorgung des Holzes ist ein Thema. Manche Baumkrankheiten machen Totholz zu einem gefährlichen Gut, das weder lange gelagert noch einfach verbrannt oder gar verbaut werden darf. Nicht nur aus diesem Grund verbieten viele Kommunen auch im eigenen Garten das unangemeldete bzw. ungenehmigte Fällen von Bäumen.



Fazit: Bäume sind schön und nützlich. Stehen sie in Siedlungsgebieten, Gärten oder öffentlichen Grünanlagen, brauchen sie viel Aufmerksamkeit, um lange vital und sicher zu bleiben. Baumpfleger kümmern sich darum – mit professioneller Steigtechnik oder speziellen Kletterkünsten.

 

Oberstes Bild: © Rainer Plendl – shutterstock.com

Über Christine Praetorius

Christine Praetorius, Jahrgang 1971, spricht und schreibt über Neues, Altes, Schönes und Kurioses. Ich liebe Sprache und Musik als die grössten von Menschen für Menschen gemachten Freuden – und bleibe gerne länger wach, um ihnen noch etwas hinzuzufügen. Seit 2012 arbeite ich mit meinem Mann Christian als freie Texterin, Autorin und Lektorin.


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