Betriebliche Automatisierung: Welche Gefahren gibt es?

09.02.2015 |  Von  |  Allgemein
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Betriebliche Automatisierung: Welche Gefahren gibt es?
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Eine Studie der Oxford Martin School vom September 2013 zeichnet ein düsteres Szenario: 47 % aller Jobs in den USA seien durch die fortschreitende Automatisierung gefährdet. Nicht nur einfache, ermüdende und sich wiederholende Tätigkeiten würden verstärkt durch Roboter ersetzt. Auch ein Grossteil der Jobs im Dienstleistungssektor soll demnach kurz vor der Automatisierung und Wegrationalisierung stehen.

Was für die USA gilt, gilt selbstverständlich in der globalisierten Welt auch für jede andere Industrienation. Diese Zahlen sind äusserst alarmierend. Beobachtet man das Verhalten der Konzerne, scheint dies auch allzu begründet.

Die Fastfood-Ketten wechseln zunehmend von ihrem persönlichen, mündlichen Bestellsystem zu Touchscreen-Systemen. Branchenführer McDonald’s hat bereits dieses Frühjahr über 6000 dieser Systeme bestellt, welche auf der anderen Seite die Arbeitskraft von KassiererInnen ersetzen sollen. Hochintelligente Lagerroboter sollen bei Versanddienstleistern, allen voran beim Platzhirsch Amazon, ganze Mannschaften von Mitarbeitern freistellen. Und selbst in den Billiglohnländern schlägt diese Entwicklung gnadenlos zu. Der chinesische Elektronikproduzent Foxconn hat den Kauf von einer Million Robotern angekündigt, welche dezidiert Arbeitsplätze ersetzen sollen.

Richtig gruselig wird es jedoch, wenn man sich die neuesten Trends in der Automatisierungstechnik ansieht. Selbst mittelständische Berufe wie Anwälte, Steuerfachkräfte oder Techniker können ganz oder teilweise durch moderne Softwarealgorithmen ergänzt oder sogar ersetzt werden. Nimmt man sich den Traum vom wirklich autonomen Automobil als Beispiel, wird die Dramatik dieser Entwicklung deutlich: Es liegt ein so gewaltiger Druck auf dieser Entwicklung, dass das Erscheinen des zulassungsfähigen Autos mit Autopilot nur noch eine Frage weniger Jahre zu sein scheint. Doch was erhält man mit dieser Technologie wirklich?

Primär ist die Notwendigkeit des Besitzes eines eigenen Autos mit dieser Technik dann hinfällig. Hat man einen persönlichen Transportbedarf, dann ruft man sich eines, lässt sich zum Zielort transportieren und ruft sich für den Rückweg ein weiteres Fahrzeug. Automatisiertes Fahren ist mutmasslich erheblich sicherer, was sich in sinkenden Unfallzahlen, weniger Verkehrstoten und geringerem volkswirtschaftlichen Schaden niederschlägt.

Jedoch wird es in diesem Szenario keinerlei Bedarf an Taxi- und Busfahrern mehr geben. Auch wird weniger Parkraum benötigt, was sich in verringerten Aufträgen für die Bauwirtschaft bemerkbar machen wird.

Ebenso die Versicherungswirtschaft: Geringere Unfallwahrscheinlichkeit macht die Notwendigkeit teurer, komplizierter und individueller Versicherungsdienstleistungen rund um das Auto überflüssig. Neben den wegbrechenden Beiträgen wird die Versicherungswirtschaft auch wesentlich weniger Personal benötigen.

Der Gütertransport wird ebenso durch die Automatisierung revolutioniert werden. Zwar werden die Fahrzeuge an Effizienz und Auslastung deutlich gewinnen. Lastwagenfahrer und selbst klassische Speditionen werden mit autonom fahrenden LW mitsamt ihrem Personal nicht mehr gebraucht werden.


Wohin mit all den Arbeitskräften? (Bild: © Andrey_Popov - shutterstock.com)

Wohin mit all den Arbeitskräften? (Bild: © Andrey_Popov – shutterstock.com)


Das Transportsystem ist hier nur ein Beispiel für die Möglichkeiten, welche die Automatisierung durch Software und Roboter in Zukunft an Arbeitskraft freisetzen wird.

Weitere Gefahr für die etablierte Form der Beschäftigung geht vom 3D-Druck aus. Was heute mit Begeisterung aufgenommen wird, kann in naher Zukunft ganze Branchen überflüssig machen. Denn eines wird bislang mit dem Hype um diese neue Technologie noch nicht bedacht: 3D-Drucker sind reproduktionsfähig. Das bedeutet, dass es früher oder später 3D-Drucker aus dem 3D-Drucker geben wird. Da aber die Crux dieser Geräte darin besteht, alles herstellen zu können, wird ihre geradezu virale Verbreitung die logische Schlussfolgerung sein.

Das schliesst auch die komplexen Geräte mit ein: 3D-Drucker zur Verarbeitung von Metallen, Keramiken oder Nahrungsmitteln werden in Kürze ebenso preiswert verfügbar sein, wie es die kunststoffverarbeitenden Geräte heute sind. Wenn aber jedermann sich alles selbst herstellen kann, was bleibt dann noch für den Handel zu tun?

Die Idee des 3D-Drucks ist schliesslich auch nicht auf das Herstellen von Gegenständen begrenzt. Automatisierte Reaktoren zur zielgenauen Herstellung von Arzneien existieren heute bereits im Prototypenstadium. Dies versprechen ebenso kompakte Geräte zu werden, wie es die handelsüblichen 3D-Drucker heute sind. Es ist also wahrscheinlich, dass diese Geräte sich ebenso verbreiten werden – was sich für die Notwendigkeit von Ärzten und Apothekern auswirken wird.

Eine Frage lässt sich durch die Automatisierung jedoch nicht beantworten: Wohin mit all den Arbeitskräften? Welche Gesellschaft wird kommen, wenn zwar alles billig und von überall verfügbar ist, dennoch niemand mehr einer sinnvollen Beschäftigung nachgehen kann? Mit der Shareconomy, welche das Teilen von Besitz in den Mittelpunkt stellt, wird gegenwärtig ein interessanter Trend angestossen. Ob er wirklich zukunftsfähig ist, muss sich erst zeigen. Denn gleichmachende Ideen gab es schon viele. Die meisten wurden durch die Geschichte nachhaltig verdorben, wenn man sich einmal die wirklichen Folgen von Sozialismus und Kommunismus in Erinnerung ruft.

Vielleicht sind all diese Sorgen auch unbegründet. Die Reparatur der Welt mit ihren verseuchten Böden, abgeholzten Wäldern und vermüllten Ozeanen bietet hinreichend viel Beschäftigungspotenzial, um noch viele Generationen lang für Vollbeschäftigung zu sorgen. Auch das grundsätzliche weitere Wachstum der Menschheit und die daraus folgenden infrastrukturellen, soziologischen und organisatorischen Aufgaben sind Herausforderung genug. Ein Umdenken wird in vielerlei Hinsicht in allen Gesellschaftsschichten vom Lauf der Dinge eingefordert werden.



Aber dies ist der Preis der Progression, welche schliesslich erst die moderne Welt ermöglicht hat. Es bleibt also wie immer dabei, dass die Verantwortung beim Einzelnen liegt und es seine Aufgabe ist, sich ihr zu stellen.

 

Oberstes Bild: © bogdanhoda – shutterstock.com

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