Lagerhaltung im Betrieb

22.04.2015 |  Von  |  Regale, Versand
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Lagerhaltung im Betrieb
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Lagerhaltung ist in Produktion und Logistik oft unvermeidlich, denn ein Lagerbestand von Roh- oder Fertigwaren, Hilfs- und Betriebsstoffen und anderen Lagergütern sorgt für einen betriebsinternen Puffer, der eine kontinuierliche Produktion oder eine hohe Lieferfähigkeit sicherstellt. Um diese Ziele zu erreichen, müssen geeignete Lagerkapazitäten zur Verfügung stehen, sowohl räumlich, technisch als auch personell. 

Zwingend notwendig ist ein Lager, also ein Raum, Gebäude oder Areal, in dem Waren und Güter aufbewahrt werden können. Das Lager muss ausreichend dimensioniert sein, um sämtliche Lagergüter aufzunehmen und zudem so gestaltet werden, dass die einzelnen Lagergüter schnell und sicher ein- und ausgelagert werden können.

Die 7 Funktionen der Lagerhaltung

Es gibt viele Gründe, warum Unternehmen sich dafür entscheiden, Lagerhaltung zu betreiben. Diese lassen sich in sieben Gruppen zusammenfassen:

  1. Ausgleichsfunktion: Das Lager wird genutzt, um eine grössere Beschaffungsmenge auszugleichen und Material, das in der Produktion erst später benötigt wird, zu puffern. Schwankungen lassen sich so ausgleichen, etwa bei langen Lieferzeiten.
  2. Sicherungsfunktion: Durch die Lagerung kann sich der Betrieb gegen Lieferengpässe seitens einzelner Lieferanten absichern und so auch bei Lieferschwierigkeiten und Nachschubproblemen der Lieferanten die eigene Produktion sicherstellen.
  3. Sortimentsfunktion: Um ein möglichst breites und tiefes Sortiment liefern zu können, kann durch die Lagerung von Halbfertigteilen, die erst in der Endmontage komplettiert werden oder durch die Lagerung von Fertig- und Ersatzteilen dem Kunden eine hohe Lieferbereitschaft geboten werden.
  4. Veredelungsfunktion: Diese entsteht, wenn durch die Lagerung eine qualitative Verbesserung des Produktes erreicht wird, etwa bei der Lagerung von Wein, Käse, Holz oder Spirituosen in Eichenfässern. Die Lagerhaltung ist hier Teil des gesamten Produktionsprozesses.
  5. Grössendegressionsfunktion: Je mehr Stück von einem Artikel in einer Bestellung eingekauft werden können, desto geringer fallen die anteiligen Bestell- und Lieferkosten aus.
  6. Spekulationsfunktion: Mengenrabatte bei grösseren Bestellungen senken die Einkaufskosten pro Stück, ebenso können bei Gütern mit extremen Preisschwankungen hohe Gewinne erzielt werden, wenn die Güter günstig ein- und teurer verkauft werden können.
  7. Umweltschutzfunktion: Gefahrstoffe, die im Betrieb verwendet werden müssen, müssen ordnungsgemäss gelagert werden, um mögliche Gefahren für Mensch und Umwelt möglichst gering zu halten. Und auch die Lagerung von Materialen zum Zwecke des Recyclings fällt in diese Gruppe.

Lagerhaltung in der Praxis

Je nach Menge, Art, Form und Umschlaghäufigkeit des Lagergutes lassen sich verschiedene Lagerarten unterscheiden. Am einfachsten umzusetzen ist die Bodenlagerung, bei der das Lagergut einfach ebenerdig auf dem Boden abgestellt wird. Um den Warenumschlag zu erleichtern, wird die Ware dazu oft auf ihrer Transporteinheit (Palette oder Kartonage) belassen und entweder komplett umgeschlagen oder in kleineren Einheiten kommissioniert. Lager dieser Art werden als Blocklager bezeichnet, da das Lagergut aus Platzgründen oft in Blöcken neben- oder übereinander gestapelt wird.

Auch in einem Blocklager können einzelne Lagerzonen eingerichtet werden, zwischen denen beispielsweise Fahrwege für Stapler oder FFZ vorhanden sind. Vorteile eines Blocklagers sind die geringen Anforderungen an die Lagereinrichtung und die einfache Realisierung, auf der anderen Seite setzt ein Blocklager ausreichende räumliche Kapazitäten voraus. Sollen Lagerstrategien wie FIFO (First In, First Out) umgesetzt werden, erhöht sich bei einem Blocklager der Handlingsaufwand enorm, da die vorhandenen Bestände bei jedem Wareneingang umsortiert werden müssen, um auf die ältesten Bestände zugreifen zu können. Blocklager sind hingegen gut geeignet für Lagergüter mit einem hohen Durchsatz und ebenso als Versandlager im Warenausgang.


Je nach Art und Grösse der Güter werden die Regale dimensioniert und konzipiert. (Bild: © Vereshchagin Dmitry - shutterstock.com)

Je nach Art und Grösse der Güter werden die Regale dimensioniert und konzipiert. (Bild: © Vereshchagin Dmitry – shutterstock.com)


Für verderbliche oder alternde Schüttgüter aller Art wie Getreide, Tierfutter oder Zement sind Silolager ideal. Sie werden von oben bestückt, die Entnahme erfolgt von unten am Silo, wodurch als Lagerstrategie FIFO vorgegeben ist. Handelt es sich um Schüttgüter mit unbegrenzter Haltbarkeit wie Sand oder Kiesel, werden diese oft aus Gründen der Wirtschaftlichkeit zu Halden aufgeschüttet und von dort entnommen.

Regale machen die Lagerhaltung flexibler und günstiger

Die bodennahe Lagerung hat einen entscheidenden Nachteil: Das Lagergut belegt die verfügbare Grundfläche, ohne aber die mögliche Höhe auszunutzen. Lagerflächen liefern aber, von wenigen Ausnahmen abgesehen, keine direkte Wertschöpfung, im Gegenteil, sie kosten Geld. Um möglichst viele Güter möglichst wirtschaftlich zu lagern, werden oft Regale und Regalsysteme genutzt. Sie bieten den Vorteil, dass Waren nicht nur nebeneinander, sondern auch autark übereinander gelagert werden können.

Je nach Art und Grösse der Güter werden die Regale dimensioniert und konzipiert. In der betrieblichen Praxis gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Regalsystemen, die betriebliche Prozesse optimal unterstützen. Ein Nachteil der Regallagerung ist die notwendige Investition, die je nach Grösse und Ausführung erheblich sein kann, besonders dann, wenn zusätzliche Automatisierungen installiert werden, etwa eine Fördertechnik.

Regale für den betrieblichen Einsatz unterscheiden sich von denen im Privathaushalt oft deutlich, denn die Ästhetik spielt bei der Lagereinrichtung eine untergeordnete Rolle, entscheidender sind Kriterien wie Stabilität, Tragfähigkeit, Haltbarkeit und Erweiterbarkeit. Gerade bei Regalen für Paletten oder grosse Lagergüter ist zudem die Arbeitssicherheit ein wichtiges Auswahlkriterium, denn bei einer möglichen Zuladung von bis zu 1.000 Kilogramm muss eine Lagerpalette stabil und absolut sicher im Fach stehen.

Wichtige Kennzahlen für die Einrichtung eines Lagers

Um ein Lager richtig zu dimensionieren, muss vorab exakt ermittelt werden, welche Mengen welcher Artikel gelagert werden müssen. Der durchschnittliche Lagerbestand alleine ist dafür nicht aussagekräftig, betrachtet werden müssen vielmehr die Spitzen im Lagerbestand. Lassen sich diese nicht durch Änderungen im Bestellprozess oder der Produktion vermeiden, muss das Lager auf diese Maximalwerte hin ausgelegt werden.

Die Lagerumschlagshäufigkeit gibt an, wie oft ein Lager in einem bestimmten Zeitraum, in der Regel ein Jahr, komplett umgeschlagen wurde. Je höher die Umschlagshäufigkeit, desto wichtiger wird die Optimierung der vor- und nachgelagerten Prozesse, um den Umschlag der Güter möglichst wirtschaftlich – also mit möglichst geringen Kosten – zu realisieren.

Dazu ist es wichtig, die Umschlagshäufigkeit für jeden einzelnen Artikel zu ermitteln und die Lagergüter mithilfe dieser Daten in A-, B- und C-Artikel zu klassifizieren. A-Artikel sind so genannte Schnelldreher, sie sollten mit kurzen Wegen erreichbar sein, während C-Artikel eine geringe Umschlagshäufigkeit besitzen und auf peripheren Lagerplätzen eingelagert werden können.



Fazit: Lagerhaltung ist oft in der betrieblichen Praxis unvermeidbar, daher muss die Lagereinrichtung so beschaffen sein, dass die gewollte Unterbrechung des Materialflusses möglichst kostengünstig realisiert werden kann. Das setzt eine gute Planung, die auch zukünftige Entwicklungen berücksichtigt, voraus.

 

Oberstes Bild: © gualtiero boffi – shutterstock.com

Über Christian Praetorius

Christian Praetorius, Jahrgang 1969, gelernter Controller und Logistiker mit jahrelanger Berufserfahrung. Seit 2012 gemeinsam mit seiner Frau Christine als freier Texter und Autor selbständig, erfolgreich und glücklich. Seine Kunden schätzen ihn für klare Worte, originelle Slogans und kreative Wortspiele ebenso wie für seine absolute Zuverlässigkeit und Kundenorientierung. Schreibt aus Berufung und mit Leidenschaft für die Sprache, die Botschaft und den Leser.


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