Schnell mitgebracht, schnell durchgebrannt: Private Elektrogeräte

30.04.2015 |  Von  |  Sicherheit
Keine Beiträge mehr verpassen? Hier zum Newsletter anmelden!
Schnell mitgebracht, schnell durchgebrannt: Private Elektrogeräte
4.6 (91.11%)
9 Bewertung(en)

Der alltägliche Umgang mit Elektrogeräten gehört zu den Selbstverständlichkeiten im Betrieb. Gerade darum wird die Brandgefahr, die davon ausgeht, oft unterschätzt. Rund 80 Prozent aller Betriebsbrände werden durch Elektrizität verursacht – häufig durch fehlerhaften Anschluss privater Kleingeräte.

Sicherheitslücken, Fahrlässigkeit und mangelnde Aufklärung erhöhen das Brandrisiko durch elektrische Geräte. Leider werden die privaten Elektrogeräte, die in vielen Betrieben genutzt werden, meist nur unzureichend oder gar nicht kontrolliert.

Es gibt keinen menschlichen Sinn für Brandrisiken

Unternehmen müssen für ausreichenden betrieblichen Brandschutz sorgen. Dazu gehören nicht nur bauliche und technische Vorkehrungen wie Brandschutztüren, Sprinkleranlagen oder das Bereitstellen von Feuerlöschern, sondern auch die regelmässige Schulung der Mitarbeiter. Jeder muss wissen, was er tun kann, um Brände zu verhüten, und wie er sich zu verhalten hat, wenn tatsächlich einmal ein Feuer ausbricht. Doch viele Mitarbeiter empfinden die entsprechenden Brandschutzübungen eher als lästige Arbeitsunterbrechungen oder sogar blanke Zeitverschwendung.

Fragt man die Mitarbeiter eines Unternehmens, wie sie das Brandrisiko an ihrem Arbeitsplatz einschätzen, kommen oft Antworten zurück wie: „Hier hat es seit 50 Jahren noch nie gebrannt.“ Solche Aussagen sind menschlich, denn der Mensch hat keinen Extrasinn für Risiken. Eine Gefahr, die er nicht mit seinen Sinnen wahrnimmt und durch konkrete Vorstellungen und Erfahrungen zu sich in Bezug setzen kann, ist für ihn nicht fühlbar. Nur mit Hilfe der Statistik oder Versicherungsmathematik lassen sich Risiken in Zahlen, etwa Prozentangaben, ausdrücken – aber auch die kann der Mensch nur auf mittelbarem Weg verwerten und umsetzen.

Seine Mitarbeiter auf Denkfehler wie den oben genannten hinzuweisen, etwa durch die Erklärung, es könne jederzeit und überall ein Brand ausbrechen, kann zwar ein Augenöffner sein, führt aber nicht automatisch zu einem verantwortlicheren Umgang mit Elektrizität. Denn dazu muss das korrekte Verhalten bekannt sein und auch trainiert und überwacht werden.

Es gibt keine harmlosen Elektrogeräte

Jedes elektrische Gerät, das an die betriebliche Stromversorgung angeschlossen wird, stellt eine zusätzliche Brandgefährdung dar. Wie gross das Gerät ist, wo es steht und von wem es wie lange betrieben wird, ist dabei erst einmal nebensächlich – denn in jedem davon kann jederzeit ein Fehler auftreten. Elektrizität bedeutet Funken und Feuer, auch wenn diese im Normalbetrieb nicht zu sehen sind. Und schon ein kleiner Funken kann einen Entstehungsbrand verursachen, der sich beim Zusammentreffen ungünstiger Umstände bis zu einem Grossbrand ausweiten kann.

Zum Brandschutz gehört ebenfalls die regelmässige Kontrolle und Wartung aller Maschinen, elektronischer und elektrischer Geräte des Betriebes durch Experten. Doch in den meisten Unternehmen gibt es außerdem zahlreiche Kleingeräte, die ohne das Wissen der verantwortlichen Elektrofachkraft angeschlossen und betrieben werden. Dazu gehören zum Beispiel die beliebten privaten Radios, Wasserkocher, Tischventilatoren, Einzel- und Zweiplatten-Kochherde und natürlich Kaffeemaschinen.

Von den Mitarbeitern werden solche Elektrogeräte üblicherweise als ungefährlich eingestuft. Sie dienen ja dem Komfort und der besseren Motivation, machen ganz alltägliche Dinge und sind den Anwendern seit Jahren auch im privaten Haushalt bestens vertraut. Darum werden sie in der Regel weder der zuständigen Fachkraft gemeldet noch von dieser vor der Inbetriebnahme geprüft. Zudem liest sich so gut wie niemand die Montage- oder Sicherheitshinweise des Herstellers für eine Kaffeemaschine durch. Denn was da drinsteht, ist ohnehin bekannt – man steckt den Stecker in die Steckdose und kann Kaffee kochen. Versicherungsstatistiken zeigen allerdings, dass diese vermeintlich harmlosen Elektrogeräte eine häufige Brandursache sind.


In den meisten Unternehmen gibt es zahlreiche Kleingeräte, die angeschlossen und betrieben werden. (Bild: altafulla / Shutterstock.com)

In den meisten Unternehmen gibt es zahlreiche Kleingeräte, die angeschlossen und betrieben werden. (Bild: altafulla / Shutterstock.com)


Die häufigsten Fehler im Umgang mit privaten Elektrogeräten im Betrieb

Viele Geräte werden falsch angeschlossen, etwa durch Verwendung mehrerer Verlängerungskabel oder Mehrfachsteckdosenleisten (Verteilersteckdosen) hintereinander bzw. durch Anschliessen zu vieler Geräte an eine einzige Wandsteckdose. Geräte wie ein Tischstaubsauger, eine Kochplatte oder ein Heizlüfter brauchen auf die Schnelle ziemlich viel Strom, werden aber oft bedenkenlos gleichzeitig betrieben.

Bei solchen Spannungsspitzen können willkürlich zusammengebastelte oder alte Verkabelungen und Anschlüsse überlasten, zu heiss werden und in Folge zu schmoren und zu brennen beginnen. Hier könnte schon die vernünftige Nutzung der hauseigenen Steckdosen bzw. der Anschluss unter Aufsicht der Elektrofachkraft die Mitarbeiter für die Problematik sensibilisieren und das Brandrisiko vermindern.

Private Kühlschränke verursachen ebenfalls häufig Brände, weil sie mit der Zeit immer mehr verstauben. Wenn sich auf dem Verdichter genug Rückstände abgelagert haben, kommt es zu einem Wärmestau und ebenfalls zur Überhitzung oder zum Kurzschluss. Staub, vor allem vermischt mit brennbaren Produktionsrückständen wie Sägemehl, ist extrem leicht entflammbar – und die gefährlichen Stellen befinden sich immer dort am Kühlschrank, wo nie jemand hinsieht oder gar freiwillig abstaubt.

In den Betriebsanleitungen der privaten Geräte, die kaum jemand liest, steht meist, dass das Gerät nicht für den gewerblichen Gebrauch bestimmt ist – und dass der Netzstecker nach der Nutzung aus der Steckdose gezogen werden muss, was ebenfalls fast nie geschieht. Viele Nutzer wissen gar nicht, dass das einfache Ausschalten am Schalter bei manchen Geräten nicht ausreicht, um die Stromversorgung abzustellen. Schaltet der Ein-/Aus-Schalter nur einpolig, was etwa bei vielen haushaltsüblichen Kaffeemaschinen der Fall ist, kann die Heizspirale unter der Heizplatte auch nach dem Abschalten noch unter Spannung stehen.

Gefährlich wird das immer dann, wenn das Gerät richtig hart arbeiten muss. Die meisten Kaffeemaschinen in Büro, Werkstatt oder Verwaltung laufen praktisch im Dauerbetrieb. Dabei verschleisst und verkalkt die Maschine. Kaffee brennt auf der Platte ein, Metallteile korrodieren, der Kunststoff wird bröckelig. Die Belastbarkeit sinkt, die Überhitzungsgefahr steigt – und niemanden stört es, solange das Gerät noch Kaffee kocht.



Der Unternehmer trägt die Verantwortung

Wenn Elektrogeräte ohne Kenntnis der technischen Abteilung oder betrieblichen Elektrofachkräfte betrieben werden, bedeutet das meist eine Vernachlässigung der Vorschriften, Bestimmungen und Normen. Duldet die Firmenleitung die entsprechenden Vorgänge und Sachverhalte, erkennt sie damit die Geräte als Teile der betrieblichen Elektroanlage an – und muss Verantwortung für deren Prüfung, Wartung, Instandhaltung und Betrieb übernehmen.

Für die Verantwortlichen ist es wichtig, folgende Fragen zu berücksichtigen:

  • Steht der Nutzen dieses privaten Elektrogeräts für den Betrieb in Relation zu seiner Brandgefahr?
  • Wo wird das Gerät betrieben? (Sicherer Standplatz, vorschriftsmässiger Anschluss, Luftbelastung durch Staub etc.)
  • Ist das Gerät für den geplanten Einsatz geeignet? (Schutzart, Ausführung etc.)
  • Welche Mehrkosten und Massnahmen sind erforderlich, um das Gerät dauerhaft sicher und vorschriftsmässig zu betreiben?

Fazit: Elektrizität ist nie harmlos – auch nicht in Form von privaten Kleingeräten, die oft und gern in den Betrieb mitgenommen und dort einfach genutzt werden. Wenn die Kaffeemaschine aber brennt oder das Verlängerungskabel durchschmort, kann das zur Gefahr für Leib und Leben werden – und im schlimmsten Fall noch das Unternehmen ruinieren.

 

Oberstes Bild: © Africa Studio / Shutterstock.com

Über Christine Praetorius

Christine Praetorius, Jahrgang 1971, spricht und schreibt über Neues, Altes, Schönes und Kurioses. Ich liebe Sprache und Musik als die grössten von Menschen für Menschen gemachten Freuden – und bleibe gerne länger wach, um ihnen noch etwas hinzuzufügen. Seit 2012 arbeite ich mit meinem Mann Christian als freie Texterin, Autorin und Lektorin.


Ihr Kommentar zu:

Schnell mitgebracht, schnell durchgebrannt: Private Elektrogeräte

Für die Kommentare gilt die Netiquette! Erwünscht sind weder diskriminierende bzw. beleidigende Kommentare noch solche, die zur Platzierung von Werbelinks dienen. Die Agentur belmedia GmbH behält sich vor, Kommentare ggf. nicht zu veröffentlichen.