Stapler-Typenkunde

07.05.2015 |  Von  |  Fördertechnik
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Stapler-Typenkunde
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Im betrieblichen Alltag spielen Stapler in verschiedenen Ausführungen und Bauformen eine wichtige Rolle, denn mit ihrer Hilfe lassen sich auch schwere Lasten sicher und zügig fördern und transportieren. Stapler stellen frei verfahrbare, flurgebundene Unstetigförderer dar, was ihrem Nutzen im Betrieb jedoch keinen Abbruch tut.

Im Gegenteil: Dass sie frei verfahrbar sind, macht sie flexibel und bringt zum Ausdruck, dass Stapler überall im Betrieb eingesetzt werden können, da sie nicht schienengebunden (wie z. B. Regalbediengeräte) oder ortsfest montiert (wie z. B. fördertechnische Anlagen) sind.

Die Flurgebundenheit ist im operativen Einsatz kein Nachteil, sondern meint nur, dass Stapler auf dem Boden fahren, und dass sie dabei unstetig fördern ist ebenso gewollt wie sinnvoll, denn das bedeutet nichts anderes, als dass sie nicht kontinuierlich fahren, sondern nur bei Bedarf.

Fördern und transportieren

Wenn Güter vom Lieferanten zum Kunden gebracht werden, erfahren die Güter eine Ortsveränderung, die landläufig als „Transport“ bezeichnet wird. Auch Menschen, die mit Bus oder Bahn von einem Ort zum anderen fahren, werden transportiert. Im innerbetrieblichen Bereich sind jedoch oft nur kurze Strecken, bisweilen nur wenige Meter, zurückzulegen. Daher hat sich für das Fortbewegen von Arbeitsgegenständen oder Materialien in einem System (Betrieb, Produktionshalle) der Begriff „Fördern“ durchgesetzt.

Analog dazu werden die notwendigen technischen, organisatorischen und personellen Mittel, die zum Fördern benötigt werden, als Fördersysteme bezeichnet. Sie erfüllen verschiedene wichtige Funktionen:

  • Ermöglichung des innerbetrieblichen Materialflusses
  • Pufferung und Lagerung
  • Verteilung
  • Sammlung
  • Sortierung

Zwei Gabeln und viel Hubkraft

Stapler sind Fördermittel, mit denen Paletten, Gitterboxen oder andere unterfahrbare Ladungsträger aufgenommen, abgesetzt und transportiert werden können. Es gibt sie in drei- oder vierrädrigen Varianten, wobei Dreiräder eine besonders hohe Wendigkeit bieten, jedoch nur auf glatten Böden im Innenbereich betrieben werden können. Vierradstapler haben dafür eine höhere Stabilität gegen seitliches Kippen und sind auch für den Ausseneinsatz und die Förderung von grossen Lasten geeignet.

Das kennzeichnende Merkmal fast aller Staplertypen ist das vertikale Hubgerüst, an dem geschmiedete Gabeln oder andere Lastaufnahmemittel angebracht werden können. Damit Stapler eine möglichst grosse Hubhöhe erreichen und gleichzeitig die Höhe des Fahrzeuges begrenzt wird, ist das Hubgerüst in der Regel teleskopierbar. Es besteht aus zwei (Duplexmast) oder drei (Triplexmast) Segmenten, die ineinander gelagert sind und hydraulisch ausgefahren werden.

Ein wesentliches Kriterium für das Hubgerüst ist die Höhe des Freihubs, das ist die maximale Hubhöhe der Gabeln, die ohne ein Ausfahren des Hubmastes erreicht werden kann. Der Freihub entspricht damit dem der Hubhöhe bei Einfachhubgerüsten und beträgt bei einem teleskopierbaren Hubgerüst etwa 150 mm. Reicht dieser Freihub nicht aus, etwa für Arbeiten innerhalb von Containern oder einer Regalanlage, müssen speziell konstruierte Hubgerüste oder Gabelhubwagen eingesetzt werden, die einen Sonderfreihub erlauben.

Gabelstapler

Gabelstapler nehmen das Fördergut freitragend, ausserhalb ihrer Radbasis auf, die Gabeln befinden sich an einem frontal befestigten Hubgerüst. Um die Lastaufnahme zu erleichtern, wird das Hubgerüst um bis zu 3° nach vorne geneigt und kann im angehobenen Zustand um 8°-10° nach hinten geneigt verfahren werden. Da der Lastschwerpunkt im vorderen Bereich liegt, sind Gabelstapler mit einem Gegengewicht (in der Regel die Batterie) am hinteren Fahrzeugende versehen.

Die übliche Hubhöhe von Gabelstaplern liegt bei bis zu 8,5 m, batteriebetriebene Modelle können Nutzlasten von bis zu 5 to tragen, Modelle, die mit Gas oder Diesel angetrieben werden, erreichen Nutzlasten von bis zu 16 to.


Stapler stellen frei verfahrbare, flurgebundene Unstetigförderer dar. (Bild: © safakcakir - shutterstock.com)

Stapler stellen frei verfahrbare, flurgebundene Unstetigförderer dar. (Bild: © safakcakir – shutterstock.com)


Spreizenstapler

Anders als Gabelstapler besitzen Spreizenstapler starre Gabeln, die an einem nicht neigbaren Hubmast befestigt sind. Der Schwerpunkt liegt innerhalb der Radbasis, was die Kippgefahr verringert und die Nutzung von kurzen Gabeln ermöglicht. So lassen sich Spreizenstapler auch in engen Regalgängen zum Ein- und Auslagern einsetzen. Der Fahrer sitzt bei diesen Modellen seitlich zum Hubmast und hat damit freie Sicht nach Vorne und Hinten.

Schubgabelstapler

Diese Staplervarianten sind ähnlich wie Spreizenstapler konstruiert, weisen jedoch anstelle der starren Gabeln eine Teleskopgabel auf. Damit lassen sich auch querstehende Paletten unterfahren und anschliessend in die Radbasis bewegen, bevor die Last verfahren wird.

Schubmaststapler

Schubmaststapler sind ebenfalls eine Weiterentwicklung der Spreizenstapler, die jedoch über einen längsverschiebbaren, oft auch neigbaren Schubmast verfügen. Sie eignen sich zur Aufnahme von quer- oder längsliegenden Paletten gleichermassen und werden oft im Hochregallager zur Ein- und Auslagerung von Paletten eingesetzt. Sie haben im Vergleich zu einem Kommissionierstapler jedoch den Nachteil, dass die Fahrerkabine nicht beweglich ist, eine Einlagerung in grösserer Höhe erfordert damit viel Erfahrung des Fahrers, da die Last nur über ein Kamerasystem beobachtet werden kann.

Kommissionierstapler

Bei einem Kommissionierstapler wird der Bedienstand zusammen mit dem Lastaufnahmemittel nach oben oder unten verfahren, der Fahrer ist also jederzeit auf einer Höhe mit der Last. Eine Schwenkschubgabel erleichtert zusätzlich die Ein- und Auslagerung im Hochregallager, da damit die Palette gedreht werden kann, ohne den Gang zu verlassen, die Palette abzusetzen und um 90° versetzt wieder aufzunehmen. Kommissionierstapler werden oft auch zur Kommissionierung von einzelnen Verpackungseinheiten aus einem Palettenfach eingesetzt, der Kommissionierer nimmt in diesem Fall eine oder mehrere leere Paletten als Ladehilfsmittel mit, auf die die kommissionierte Ware abgestellt wird.

Gelenkstapler

Diese Bauform verfügt über ein Hubgerüst, das wie eine Schwenkschubgabel aus der Mittelstellung heraus in beide Richtungen um 90° geschwenkt werden kann. Gelenkstapler sind damit auch für die Arbeit in engen Regalgängen geeignet, erfordern jedoch aufgrund ihrer hohen Wendigkeit deutlich mehr Erfahrung und Routine in der Steuerung, die deutlich anspruchsvoller ist als bei einem konventionellen Stapler mit festem Hubgerüst.

Vierwegestapler

Hierbei handelt es sich um Modelle, die dem Schubmaststapler sehr ähnlich sind, jedoch lassen sich alle vier Räder des Vierwegestaplers um 90° drehen, wodurch diese Stapler auf der Stelle drehen und die Last von allen vier Seiten aufnehmen können.



Fazit: Um die Arbeit mit Paletten und Gitterboxen zu erleichtern, sind Stapler im Betrieb unerlässlich. Sie ermöglichen die schnelle, sichere und reibungslose Ortsveränderung auch von schweren Gütern, und das nicht nur am Boden, sondern auch in der Höhe. Entscheidend sind neben der technischen Ausführung jedoch immer auch das Können und die Erfahrung des Fahrers.

 

Oberstes Bild: © Dmitry Kalinovsky – shutterstock.com

Über Christian Praetorius

Christian Praetorius, Jahrgang 1969, gelernter Controller und Logistiker mit jahrelanger Berufserfahrung. Seit 2012 gemeinsam mit seiner Frau Christine als freier Texter und Autor selbständig, erfolgreich und glücklich. Seine Kunden schätzen ihn für klare Worte, originelle Slogans und kreative Wortspiele ebenso wie für seine absolute Zuverlässigkeit und Kundenorientierung. Schreibt aus Berufung und mit Leidenschaft für die Sprache, die Botschaft und den Leser.


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