Wissenswertes zur Ladungssicherung

14.04.2015 |  Von  |  Sicherheit
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Wissenswertes zur Ladungssicherung
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Das korrekte Beladen und die fachgerechte Ladungssicherung sind wichtige Voraussetzungen für einen sicheren Transport von Gütern.

Egal ob auf der Strasse, dem See- oder Luftweg oder auf Schienen: Jede Ladung muss jederzeit gegen die im normalen Transportbetrieb zu erwartenden Belastungen gesichert sein.

Ladung die nicht oder nicht ausreichend gesichert wurde, stellt ein Sicherheitsrisiko im Verkehr dar, und das unabhängig von Gewicht oder Grösse der Ladung. Daher ist das oberste Ziel der Ladungssicherung, die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten und Unfälle zu vermeiden, auch um finanzielle Schäden zu vermeiden. Zudem ist die Ladungssicherung gesetzlich geregelt und vorgeschrieben, etwa in der Verkehrsregelnverordnung, dem Strassenverkehrsgesetz sowie der Strassenkontrollordnung. Darüber hinaus gibt es Regelungen in nationalen, europäischen und internationalen Normen.

Alles, was Recht ist

Die Verkehrsregelnverordnung legt eindeutig fest, wer für die Sicherung der Ladung verantwortlich ist: „Der Führer hat sich zu vergewissern, dass Fahrzeug und Ladung in vorschriftsmässigem Zustand sind.“ Auch das Strassenverkehrsgesetz fordert: „Die Ladung ist so anzubringen, dass sie niemanden gefährdet oder belästigt und nicht herunterfallen kann.“ Bei einem Verstoss dagegen droht der Entzug des Ausweises und eine hohe Geldbusse oder in schweren Fällen auch Freiheitsentzug.

Daraus leitet sich klar ab, dass der Fahrer hauptverantwortlich für die Ladungssicherung ist, selbst dann, wenn die Ladung durch Dritte gesichert wurde. Allerdings können auch Spedition oder Verlader in Regress genommen werden, wenn eine von ihnen versendete Ladung unzureichend gesichert wurde und an einem Unfall beteiligt war.

Die physikalischen Grundlagen – Gewichtskraft und Trägheitskräfte

Die erste wichtige Grösse ist die Gewichtskraft, die sich aus der Masse des Objekts (allgemeinsprachlich ausgedrückt: ihrem Gewicht) und der konstanten Erdbeschleunigung errechnet. Sie ist die Kraft, mit der die Ladung gegen die Ladefläche gedrückt wird und wird in der Einheit daN (DekaNewton) gemessen, wobei 1 daN der Masse von 1 kg entspricht.

Während die Gewichtskraft eine Masse stabilisiert, ist die Trägheitskraft eine dynamische Grösse, die sich physikalisch aus der Multiplikation der Masse mit der Beschleunigung ergibt. Die Trägheitskraft bezeichnet die Bestrebung einer Masse, sich einer Veränderung des Bewegungszustandes zu widersetzen. Wer einmal in einem Auto eine Vollbremsung gemacht hat, hat die Trägheitskraft am eigenen Leib erfahren: Das Auto bremst, der beschleunigte Körper wird mit grosser Kraft gegen den Sicherheitsgurt gedrückt, der die Trägheitskraft bis zum endgültigen Stillstand des Wagens ausgleicht. Diese Kräfte wirken nicht nur auf die menschlichen Insassen, sondern natürlich auch auf die Ladung.

Die Reibungskraft unterstützt Massnahmen zur Ladungssicherung. Kein Material ist vollkommen glatt, weder bei der Ladung noch am Ladeboden. Diese kleinen und grösseren Unebenheiten sorgen in Kombination mit der Gewichtskraft für eine stärkere Bodenhaftung, die umso stärker wirkt, je rauer die Oberfläche ist. Wie stark die Reibungskraft ist, hängt von den aufeinanderliegenden Materialien und deren Oberflächenstruktur ab und wird im so genannten Gleit-Reibbeiwert ausgedrückt. Gewicht und Grösse der Ladung spielen hierbei keine Rolle, wohl jedoch, ob die Oberfläche nass, trocken oder fettig ist.

Die letzte entscheidende Grösse ist die Sicherungskraft. Sie ist die Kraft, die von den Sicherungsmitteln aufgenommen werden muss, um die Ladung in ihrer Position zu halten, wenn sie aufgrund von einwirkenden Trägheitskräften beim Beschleunigen, Bremsen und Kurvenfahrten ins Rutschen kommt. Die notwendige Sicherungskraft errechnet sich aus der Trägheitskraft abzüglich der Reibungskraft.


Jede Ladung muss jederzeit gegen die im normalen Transportbetrieb zu erwartenden Belastungen gesichert sein. (Bild: © connel - shutterstock.com)

Jede Ladung muss jederzeit gegen die im normalen Transportbetrieb zu erwartenden Belastungen gesichert sein. (Bild: © connel – shutterstock.com)


Eine Frage der Kräfte

Beim Fahrbetrieb mit Ladung wirken Kräfte in unterschiedlichen Richtungen auf die Ladung:

  • In Fahrtrichtung können Kräfte auftreten, die bis zu 80 % des Ladungsgewichtes entsprechen (Vollbremsung).
  • Zu den Seiten wirken in Kurven bis zu 50 % des Ladungsgewichtes als Fliehkräfte.
  • Nach hinten treten beim Beschleunigen Kräfte auf, die ebenfalls bis zu 50 % des Ladungsgewichtes entsprechen können.

Kraftschlüssige Ladungssicherung

Diese Kräfte müssen mit geeigneten Massnahmen aufgefangen und ausgeglichen werden, entweder durch kraftschlüssige oder formschlüssige Ladungssicherung. Kraftschlüssige Ladungssicherung wird in der Regel durch das Niederzurren der Ladung mit Spanngurten oder Drahtseilen erreicht, die an Zurrpunkten befestigt und auf Spannung gebracht werden. Hierdurch erhöhen sich der Anpressdruck und damit der Reibungswiderstand der Ladung. Dieser Effekt kann durch Antirutschmatten aus Gummi oder einem anderen geeigneten Material zwischen Ladung und Ladefläche noch gesteigert werden.

Alternativ können einzelne grosse Ladungen auch direkt gezurrt werden. Mindestens vier Zurrmittel werden dabei an Ladung und Ladefläche befestigt und nehmen die auftretenden Kräfte direkt auf. Diese Art der Ladungssicherung wird oft bei schweren Geräten und Maschinen eingesetzt.

Die maximale Belastungsgrenze der Zurrmittel ist beim Niederzurren und Direktzurren zu beachten, ebenso die der Zurrpunkte. Beschädigte Zurrmittel dürfen nicht mehr verwendet werden, sie sind sofort auszutauschen, auch wenn die Ladung augenscheinlich stabil gesichert ist. Die während der Fahrt auftretenden Kräfte können – abhängig von der Gewichtskraft, also der Masse der Ladung – ausreichen, um etwa einen ermüdeten Zurrgurt bei einem Bremsmanöver oder einer Kurvenfahrt endgültig reissen zu lassen. Die Ladung kann dann ins Rutschen kommen und eine Gefahr für den Fahrer und andere Verkehrsteilnehmer darstellen.

Formschlüssige Ladungssicherung

Besonders beim Palettentransport wird oft die formschlüssige Ladungssicherung genutzt: Die einzelnen Ladungsstücke werden so platziert, dass zwischen ihnen kein Zwischenraum vorhanden ist und die äusseren Ladungsteile direkt an der Ladebrückenwand stehen. So geben sich die einzelnen Paletten gegenseitig Halt, die einwirkenden Kräfte werden von der Ladebrückenwand und den anderen Ladungsstücken neutralisiert. Wenn, etwa bei Teilladungen, kein vollständiger Formschluss erreicht werden kann, müssen die nicht ausreichend gesicherten Ladungsteile zusätzlich kraftschlüssig gesichert werden.

Keine losen Gegenstände auf der Ladefläche

Werkzeuge, Materialien oder andere nicht zu Packstücken verdichtete und gesicherte Ladungen müssen zum Transport in geeigneten Behältern gesichert werden. Diese müssen eine möglichst grosse, plane Standfläche aufweisen und sollten in Form, Ausführung und Material sowohl die kraft- wie auch die formschlüssige Ladungssicherung ermöglichen. Optimal sind Werkzeugkisten aus Riffelblech, deren Reibungswiderstand durch eine Antirutschmatte noch erhöht werden kann. Sie können mit Zurrgurten entweder direkt oder durch Niederzurren gesichert werden, wobei darauf zu achten ist, dass sie keine scharfen Kanten ausweisen, da die Gurte sonst beschädigt werden könnten.



Fazit: Jede Ladung muss vor Fahrtantritt ausreichend gegen alle auftretenden Kräfte gesichert werden. Nur so kann die Sicherheit im Strassenverkehr für Fahrer und andere Verkehrsteilnehmer gewährleistet werden und die Ware unbeschadet beim Empfänger ankommen.

 

Oberstes Bild: © jmarkow – shutterstock.com

Über Christian Praetorius

Christian Praetorius, Jahrgang 1969, gelernter Controller und Logistiker mit jahrelanger Berufserfahrung. Seit 2012 gemeinsam mit seiner Frau Christine als freier Texter und Autor selbständig, erfolgreich und glücklich. Seine Kunden schätzen ihn für klare Worte, originelle Slogans und kreative Wortspiele ebenso wie für seine absolute Zuverlässigkeit und Kundenorientierung. Schreibt aus Berufung und mit Leidenschaft für die Sprache, die Botschaft und den Leser.


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