Ratgeber Sicherheit: Was Betriebe tun können

16.12.2015 |  Von  |  Sicherheit
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Ratgeber Sicherheit: Was Betriebe tun können
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Arbeitsschutz wird zwar grundsätzlich grossgeschrieben, doch an der Umsetzung mangelt es nicht selten. Schlecht ausgeleuchtete Laufwege, ungesicherte Gefahrstoffe oder fehlende Arbeitskleidung sind keine Seltenheit. Der folgende Ratgeber zeigt auf, was Betriebe tun können, um ihre Belegschaft vor den betrieblichen Gefahren zu schützen.  

Die Internationale Arbeitsorganisation, kurz ILO, hat anlässlich des Welttags für Arbeitsschutz und Gesundheit am 28. April 2015 mit dem Motto „Mach mit bei der Schaffung einer Präventionskultur im Arbeitsschutz“ an Unternehmer für mehr Sicherheit am Arbeitsplatz plädiert. Laut ILO sterben jedes Jahr über zwei Millionen Menschen an Berufskrankheiten und 321’000 Menschen verunglücken bei Arbeitsunfällen tödlich. Zahlen, die schockieren. Doch Betriebe sind keinesfalls machtlos, wenn es um die Sicherheit geht.

Rettungswege

Jeder Betrieb ist verpflichtet, Rettungs- und Fluchtwege klar und deutlich zu kennzeichnen. Mit entsprechenden Hinweisschildern müssen Mitarbeiter, Kunden und Geschäftspartner in Gefahrensituationen sofort erkennen können, wo sich Notausgänge befinden.

Dies wird über eine Beschilderung gewährleistet. Haufe informiert online unter haufe.de zum Thema Arbeitsschutz und erklärt: „Fluchtwege müssen entsprechend der Nutzung, Ausstattung und Grösse des Gebäudes sowie der höchstmöglichen Personenzahl eingerichtet und gekennzeichnet sein und auf möglichst kurzem Wege ins Freie oder in einen gesicherten Bereich führen.“ Um sowohl im Ernstfall als auch im Arbeitsalltag unnötigen Verletzungen vorzubeugen, müssen sämtliche Stolper- und Rutschgefahren vermieden werden.


Jeder Betrieb ist verpflichtet, Rettungs- und Fluchtwege klar und deutlich zu kennzeichnen.

Jeder Betrieb ist verpflichtet, Rettungs- und Fluchtwege klar und deutlich zu kennzeichnen.


Im folgenden Podcast zeigen zwei Referenden des Unternehmens Hager Lösungen zur Realisierung von ordnungsgemässen Flucht- und Rettungswegen sowie dessen Funktionserhalt:



Beleuchtung

Bezüglich der Präsentation von Unfällen hat die Beleuchtung von Geschäftsräumen eine markante Bedeutung. Sind Flächen schlecht ausgeleuchtet, steigt die Gefahr für Stürze oder sonstige Unfälle, die teilweise schwere Verletzungen nach sich ziehen können. Bewegungsmelder sowie Präsenzmelder können bei der Prävention sehr nützlich sein. Sie sorgen für die Ausleuchtung von Räumen, ohne dass ein Lichtschalter betätigt werden muss.

Damit wird sichergestellt, dass Personen auf dem Betriebsgelände und innerhalb von Gebäuden stets von guten Sichtverhältnissen profitieren. Unter Bewegungsmelder.com wurde eine Vielzahl an Bewegungs- und Präsenzmeldern getestet. Die Testberichte können der Orientierung dienen und die Auswahl erleichtern. Für den Notfall sind zusätzlich netzunabhängige Handlampen bereitzulegen.

Brandschutz

Nicht weniger elementar, ist die fachgerechte Montage und Platzierung von Brandmeldern sowie Feuerlöschern. Jeder Betrieb hat die Pflicht, dem Brandschutz fachgerecht nachzukommen und für entsprechende Sicherheitsmassnahmen zu sorgen. Die Aufgaben des Betriebs sind dahingehend umfangreich.

Neben betrieblichen Anpassungen bei der Einrichtung und Installation entsprechender Brandschutzvorkehrungen gilt es organisatorische Herausforderungen zu meistern. Im Ernstfall muss die Vorgehensweise zur Rettung von Menschenleben jedem einzelnen klar sein. Informationen und Hilfe erhalten Unternehmen von zahlreichen Institutionen, die sich mit Brandschutz beschäftigen wie dem Gesetzgeber, Interessenverbänden oder Systemanbietern. Im Folgenden sind die fünf wesentlichen Arbeitgeberaufgaben zusammengefasst:

Versicherungsschutz

Um das Restrisiko abzusichern, stehen Sachversicherer und Feuerversicherer bereit.

Baulicher Brandschutz

Bereits bei der Planung von Gebäuden müssen Brandschutzmassnahmen beachtet werden. Entscheidend sind Vorschriften, welche Bauteile und Baustoffe erlaubt sind. Baustoffklassen spielen gleichermassen eine Rolle wie Feuerwiderstandsklassen und die Feuerwiderstandsdauer.

Abwehrender Brandschutz

Kommt es zum Brand, ist der abwehrende Brandschutz gefragt. Die Rettung von Mensch und Tier stehen dabei ganz oben auf der Agenda der Schutzmassnahmen. Die Brandmeldung kann über akustische Signale, Telefon oder Feuermelder erfolgen. Die erforderlichen Feuerlöscheinrichtungen müssen griffbereit sein. Wie viele Feuerlöscher vorgeschrieben sind, hängt unter anderem von der Brandgefährdung und der Fläche ab. Löschmitteleinheiten müssen immer im gebrauchsfähigen Zustand sein.

Betrieblicher Brandschutz

Hier spielen Feuerschutzabschlüsse wie Schutztüren, die Sicherung von Abstell- und Lagerräumen, der Einsatz von schwerentflammbarer Betriebseinrichtung, die Vermeidung von Zündquellen und Feuerungsanlagen eine Rolle. Hinzu kommen Schutzmassnahmen für elektrische Betriebsmittel und  Feuerarbeiten.

Organisatorischer Brandschutz

In grösseren Betrieben oder Firmen mit erhöhter Gefährdung ist ein Brandschutzbeauftragter zu bestellen. Die Aufstellung einer Brandschutzordnung ist gegebenenfalls vorzunehmen. Sie muss stets aktuell sein. Auch Alarmpläne, Brandschutzunterweisungen und Brandschutzpläne haben sich als nützlich erwiesen.

Werden alle fünf Aufgaben ernst genommen und sachgemäss behandelt, kann das Restrisiko eines Brandes im Betrieb auf ein Minimum reduziert werden. Ratsam ist die Durchführung von unangekündigten Alarmübungen. Hierbei kann geprüft werden, ob die Sicherheitsmassnahmen zum Brandschutz korrekt durchgeführt werden. Eine kritische Prüfung des Übungsverlaufs lässt Rückschlüsse zu Optimierungspotenzial zu und erlaubt es den Brandschutz zu verbessern. Die örtliche Feuerwehr kann zu Alarmübungen hinzugezogen werden.


Ratsam ist die Durchführung von unangekündigten Alarmübungen.

Ratsam ist die Durchführung von unangekündigten Alarmübungen.


Arbeitskleidung

Die Arbeitskleidung schützt Menschen vor den unmittelbaren Gefahrenquellen am Arbeitsplatz. Nachfolgend eine Liste mit Bestandteilen der persönlichen Schutzausrüstung:

  • Fussschutz (spezielle Arbeitsschuhe)
  • Körperschutz (z. B. Schürzen, Kleidung)
  • Absturzschutz (Sicherheit in der Höhe)
  • Gesichtsschutz
  • Atemschutz
  • Gehörschutz
  • Hautschutz (z. B. Handschuhe oder Hautschutzpräparate zur Reinigung der Haut)
  • Augenschutz (z. B. Schutzbrillen bei Schweissarbeiten)
  • Kopfschutz (z. B. Schutzhelm auf Baustellen)

Die Arbeitskleidung schützt Menschen vor den unmittelbaren Gefahrenquellen am Arbeitsplatz

Die Arbeitskleidung schützt Menschen vor den unmittelbaren Gefahrenquellen am Arbeitsplatz


Streupflicht im Winter

Im Winter sollten Betriebe ein kritisches Auge auf die Aussenanlagen werfen. Denn die Streupflicht betrifft neben privaten Hausbesitzern auch Gewerbetreibende. Arbeitgeber sind verpflichtet, einen betrieblichen Winterdienst aufzustellen und von Schnee und Glätte betroffene Flächen entsprechend zu sichern. Der allgemein gültigen Streu- und Räumpflicht ist neben dem Betriebsgelände auch auf angrenzenden Flächen nachzukommen. Um bei Wintereinbruch nicht von Schnee und Glatteis überrascht zu werden, sollten Unternehmer Vorräte an Streugut anlegen.

Vor der Anschaffung des Materials ist die lokale Kommune zu kontaktieren, da je nach Region unterschiedliche Streuprodukte erlaubt sind. Manche Gemeinden untersagen beispielsweise die Verwendung von herkömmlichem Streusalz, da es das Grundwasser teilweise stark belastet. Ökologische Alternativen sind vorteilhaft. Wer die Räum- und Streupflicht missachtet, muss mit Konsequenzen rechnen. Kommt es aufgrund von unsachgemässer Räumung des Geländes zu Sach- oder gar Personenschäden, haftet der Unternehmer.

Sicherheitsbeauftrage bestimmen

Sind in einem Betrieb regelmässig mehr als 20 Personen beschäftigt, muss nach Sozialgesetzbuch VII § 22 ein Sicherheitsbeauftragter bestimmt werden. Die Bestellung des Sicherheitsbeauftragten kann formlos erfolgen. Wie viele dieser Beauftragten innerhalb eines Unternehmens nötig sind, ist der Unfallverhütungsvorschrift BGV A1 § 20 der entsprechenden Berufsgenossenschaft zu entnehmen.

Abhängig von der Branche kann es hier Abweichungen geben. Sicherheitsbeauftragte sollen den Arbeitgeber dabei unterstützen, Unfall- sowie Berufskrankheitsverhütungsmassnahmen durchzuführen. Sie sollen auf Mängel hinweisen und die Sicherheit am Arbeitsplatz gewährleisten. Um als Sicherheitsbeauftragter tätig sein zu dürfen, muss bei der zuständigen Berufsgenossenschaft eine Ausbildung absolviert werden, die kontinuierlich zu aktualisieren ist.

Unfallverhütung – Aufklärung zum Arbeits- und Gesundheitsschutz

Massnahmen zur Unfallverhütung gibt es reichlich. Die Liste zeigt drei der am einfachsten umzusetzenden Vorgehensweisen:

  • Ordnung: Führungskräfte sollten auf eine ordentliche Arbeitsweise der Mitarbeiter bestehen. Sie beugt Unfällen vor.
  • Sauberkeit: Sauberkeit am Arbeitsplatz trägt ebenfalls dazu bei Gefahrenquellen zu minimieren.
  • Betriebsanweisungen: Mit Betriebsanweisungen informieren Arbeitgeber über die ordnungsgemässe Nutzung von Maschinen, Arbeitsmitteln und Co. Das Personal muss dafür Sorge tragen, dass es gemäss dieser Anweisung vorgeht, um die persönliche Sicherheit sowie die von anderen zu gewährleisten.

Doch egal wie sorgfältig ein Betrieb seiner Pflicht zum Arbeits- und Gesundheitsschutz nachkommt, die umfangreichsten Massnahmen sind nahezu wertlos, wenn die Belegschaft nicht damit umgehen kann. Unternehmen sollten ihre Verantwortung als Arbeitgeber ernst nehmen und für die bestmögliche Aufklärung innerhalb des Betriebs sorgen. Mit einer sinnvollen Aufklärungsarbeit können Unternehmer einen wertvollen Beitrag zur Unfall- und Gefahrenprävention leisten. Umso besser das Personal über mögliche Gefahren und Unfallverhütungsmöglichkeiten informiert ist, desto besser.

Empfehlenswert ist der transparente Umgang mit dem Thema Unfallverhütung. Führungskräfte sind aufgerufen gegenüber den Angestellten deutlich zu kommunizieren, dass die Meldung von potenziellen Mängeln und Gefahren innerhalb des Betriebs unverzüglich erfolgen muss. Auf diese Weise lassen sich Gefahrenquellen lokalisieren, die ohne die wachsamen Augen des Personals vielleicht unentdeckt bleiben. Doch gerade die Belegschaft arbeitet jeden Tag an den entsprechenden Geräten und Stellen und kommt mit den Risiken unmittelbar in Kontakt. Gut, wenn alle Beteiligten dabei helfen die Arbeitsumgebung sicherer zu machen.


Empfehlenswert ist der transparente Umgang mit dem Thema Unfallverhütung.

Empfehlenswert ist der transparente Umgang mit dem Thema Unfallverhütung.


Abschliessend möchten wir auf einige der wichtigsten Gesetze und Verordnungen im Rahmen des Arbeitsschutzes hinweisen:

  • Arbeitsschutzgesetz
  • Arbeitsstättenverordnung
  • Betriebssicherheitsverordnung
  • Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen
  • Mutterschutzgesetz
  • Jugendarbeitsschutzgesetz

Den Gesetztestexten können Betriebe weitere Details entnehmen. Nähere Informationen zur Betriebssicherheitsverordnung stellt zum Beispiel das Bundesministerium für Arbeit und Soziales unter bmas.de bereit.

Und sollten Tipps zur Sicherheit vor Diebstahl und Einbruch benötigt sein, empfehlen wir den Beitrag zum Thema „Mehr Sicherheit für Ihr Unternehmen“.

 

Artikelbilder: © Aintschie / Jorodin / blickpixel / Counselling / Tolea1 – pixabay.com



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