„Veraltete“ Technik – warum nicht?

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„Veraltete“ Technik – warum nicht?
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In den Unternehmen, aber auch bei Privatpersonen in der Schweiz nimmt die Technikbesessenheit neue Dimensionen an. Das allerneueste Mobiltelefon, eine vermutlich bessere, neue Maschine, eine angeblich bessere Anlage für die Produktion: die Suche nach immer modernerer Technologie beschäftigt die Menschen. Dabei muss doch das alte Gerät nicht unbedingt schlechter sein.

Meistens kommt ein Unternehmen mit der vorhandenen Technik bestens zurecht, die Produktion läuft nach Bedarf. Aber der Wunsch nach neuem ist gross. Dabei ist der Zeit- und Geldaufwand für eine Umstellung mit allen Einweisungen, Einarbeitungen und Umstellungen enorm. Dabei sind diese Umstellungen gar nicht immer gerechtfertigt und für einen reibungslosen Ablauf im Unternehmen unnötig. Im Gegensatz dazu findet man viele Betriebe mit anscheinend veralteter Technik, die problemlos und effizient arbeiten.



Neue Technik – wann?

Natürlich gibt es Gründe, auf neue, modernere Technik, Maschinen, Produktionsanlagen oder Ausrüstungen umzustellen. Entsprechen die alten Anlagen nicht mehr den Normen, sind defekt, die Funktionen entsprechen nicht den Anforderungen, Verschleissteile können nicht mehr nachbestellt werden, neue Produkte werden eingeführt, die Kapazität ist ausgereizt: dann ist eine Umstellung unumgänglich. Gesetzliche Regelungen sind ein Argument, alte Geräte durch neue zu ersetzen. Gesteigerte Produktqualität und höhere Arbeitssicherheit sind zu berücksichtigen. Aber einen funktionstüchtigen Maschinenpark oder Anlagen ausrangieren, um unbedingt mit moderner Technik aufzuwarten, kann einen Betrieb teuer zu stehen kommen.

Zu bedenken ist, dass mit neuen technischen Geräten eine Schulung der Mitarbeiter fällig wird. Neue Arbeitsweisen müssen in den Ablauf integriert werden. Sinnvoller wäre oft, das nötige Geld und auch die Zeit in die vorhandenen Ressourcen zu investieren. Moderne Technik bedeutet nicht automatisch Sicherheit für die Zukunft. Denn wer kann sagen, ob die neue Maschine, die jetzt gute Dienste tut, nicht in einigen Jahren schon wieder überholt ist. Ist die gleiche Leistungsfähigkeit mit dem derzeitigen Stand zu erreichen ist eine Veränderung fragwürdig.

Viele handwerkliche Betriebe arbeiten immer noch mit “veralteten” Maschinen. (Bild: Stokkete / Shutterstock.com)

Viele handwerkliche Betriebe arbeiten immer noch mit “veralteten” Maschinen. (Bild: Stokkete / Shutterstock.com)




Vorbild Handwerk

In einigen Bereichen muss die Technik neuesten Standards entsprechen, dies betrifft in der Schweiz nur wenige Unternehmen. Meistens ist die mögliche Kapazität noch nicht erreicht, also kein Grund für eine Investition in neue Maschinen und Anlagen gegeben. Das Handwerk macht es vor. Erfolgreich arbeiten viele Betriebe, zum Beispiel Tischlereien, mit fünfzig Jahre alten Maschinen. Gelegentlich müssen einzelne Geräte ausgewechselt werden, sie sind defekte oder es sind keine Ersatzteile aufzutreiben. Die Kunden werden aber ständig bedient, die Produktion läuft zufriedenstellend.

Besonders Unternehmen der Nahrungsmittelbranche zeigen, dass in Handwerksbetrieben mit den traditionellen Anlagen gewinnbringend gearbeitet werden kann. Bäckereien benutzen oft bewusst die herkömmlichen Geräte und Maschinen, genau wie Unternehmen der Forst- und Landwirtschaft. Ausdrücklich verzichten sie auf modernste Technik und nutzen die bewährten Methoden, um den Bedarf ihrer Kunden zu decken.



Die Weisheit des Bewährten

Die Erfahrung zeigt, dass es kein Nachteil ist, bewusst auf ein Übermass an neuester Technologie zu verzichten. Erfolg hängt nicht von moderner Technik ab. In der Metallindustrie sind viele jahrzehntealte Geräte unermüdlich in Gebrauch. Sie leisten die gleiche Arbeit heute, für die sie damals konzipiert wurden. Natürlich werden neue Maschinen für neue Arbeitsabläufe gebraucht. Komplexe Systeme müssen im Fahrzeugbau oder der Pharmaindustrie montiert werden, was ständig neue Entwicklungen und damit neue Technologien notwendig macht.

Gewollter Verzicht

Auch wenn ein Gegenstand maschinell produziert werden kann, bringt der Verzicht auf Technik auch Vorteile. Kleine traditionelle Handwerksunternehmen setzen bewusst auf Handarbeit, hohe Produktqualität und Individualität. Ein mit der Hand genähter Schuh oder Hut kann anders vermarktet werden als ein industriell hergestellter Schuh oder Hut. Die Techniken sind alt, aber durchaus der Mode entsprechend.

Sicher ist, dass die Diskussion über gute Ware nicht von modernen Maschinen und Technologien abhängt. Der Verbraucher bestimmt, was er kauft und was er wünscht. Und das ist nicht immer von einer Maschine zu erledigen.



 

Oberstes Bild: © Heiko Kueverling – Shutterstock.com

Über Olaf Hoffmann

Olaf Hoffmann ist der kreative und führende Kopf hinter dem Unternehmen Geradeaus...die Berater.
Neben der Beratertätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen und Privatpersonen in Veränderungssituationen ist Olaf Hoffmann aktiv in der Fort- und Weiterbildung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.
Als Autor für zahlreiche Blogs und Webauftritte brilliert er mit einer oftmals bestechenden Klarheit oder einer verspielt ironisch bis sarkastischen Ader. Ob Sachtext, Blogbeitrag oder beschreibender Inhalt - die Arbeiten des Autors Olaf Hoffmann bereichern seit 2008 in vielfältigen Formen das deutschsprachige Internet.


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