Baustoffe – mehr als nur Beton

12.08.2014 |  Von  |  Allgemein
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Baustoffe – mehr als nur Beton
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Sich mit Laien über Baustoffe zu unterhalten, kann selbst den einfachsten Bauhelfer manchmal in die Verzweiflung treiben. Viele eigentlich nur für einen ganz bestimmten Werkstoff gedachte Begriffe werden munter durcheinanderverwendet. Zement, Beton, Mörtel, Putz und dazu noch die ganzen regionalen Begriffe – wer da keinen Überblick hat und nicht genau weiss, wovon er redet, provoziert schnell Bauschäden und Fehlkäufe. Darum soll hier einmal ein kleiner Überblick über die Materialien gegeben werden, die auf Baustellen verwendet werden.

Den mineralischen Baustoffen ist gemeinsam, dass sie mit Wasser angerührt werden und anschliessend aushärten. Hier beginnen bereits die ersten Missverständnisse: Nur reiner Kalkbinder und Gips härten durch Trocknen aus. Zement und damit die meisten Maurermörtel und alle Betonarten „binden ab“. Das „Binden“ kann man dabei ruhig wörtlich nehmen: Der Prozess des Aushärtens von Zementwerkstoffen geht auf die bauchemischen Eigenschaften dieses Werkstoffes zurück. Ein Zementkorn bildet unter dem Einfluss von Wasser Fäden aus, welche mit ihrem Kern verbunden bleiben. Diese Fäden verhaken mit den Fäden ihrer benachbarten Körner. Dadurch wird aus dem feinen Pulver, als welches Zement angeliefert wird, innert weniger Stunden ein fester Körper.



Zement kann mit Kalk vermischt werden, jedoch nicht mit Gips. Eine Schaufel Gips in eine Maschine voll Kalk-Zement-Mörtel kann einen irreparablen Bauschaden verursachen. Gips ist ausschliesslich für nicht tragende Bereiche eines Baus zulässig, welche zudem im Innern liegen müssen. Denn Gips ist nicht wetterfest. Stuckgips für Fassaden muss mit speziellen Zusätzen erst witterungsfest gemacht werden. Das feine, weisse Gipspulver ist gut für Innenputze geeignet. Vor allem seine stark saugenden Eigenschaften sind für ein ausgeglichenes Raumklima sehr förderlich.

Kalkbinder kann wiederum bis zu einem gewissen Grad für Maurermörtel verwendet werden. Im Verhältnis 1:3 bis 1:4 mit Bausand gemischt, ist Kalkmörtel für dünne, nicht tragende Trennwände im Innenbereich zulässig. Den Namen „Binder“ trägt dieser Baustoff zurecht. Neben den klebenden Eigenschaften macht Kalkbinder das Wasser, den Sand und auch sich selbst erst zu einer homogenen Masse, die gut verarbeitet werden kann.

Mörtel sind alle feinkörnigen Baustoffe, welche aus Sand mit Gips, Kalk oder Zement angerührt werden können. Ihrem Binde- und Härtemittel entsprechend unterscheidet man zwischen Gipsmörtel, Zementmörtel oder Kalkmörtel. Kalk und Zement können für Innenputz- und Maurerarbeiten gemischt werden. Dementsprechend heisst der so entstandene Mörtel auch Kalk-Zement-Mörtel. Als Mischungsverhältnis kann man 2 Teile Kalk, 1 Teil Zement und 8 Teile Sand anwenden. Reinen Zementmörteln merkt man das Fehlen des Kalks sofort an. Sie sind lange nicht so sämig und gut zu verarbeiten wie Mörtel, bei denen Kalk mitverarbeitet wird.

Doch Vorsicht: Auch wenn die Versuchung noch so gross ist, es gibt Bereiche, in denen Kalkmörtel unzulässig sind. Denn Kalkmörtel sind ebenfalls nicht witterungsfest. Aussenputze für Keller, bei denen Kalk im Mörtel war, sind ein permanentes Ärgernis. Die so gebauten Keller laufen immer Gefahr, undicht zu werden, was Schimmel und Fäulnis zur Folge haben kann. Ebenso darf für das Verfugen geklinkerter Aussenmauern kein Kalk im Mörtel sein. Die Fugen würden bereits im nächsten Winter beginnen herauszufallen. Dann kann man die mühselige Arbeit noch einmal verrichten. Ergänzt werden können Mörtel durch Kügelchen aus Hartschaum. Diese geben dem Mörtel gewisse wärmedämmende Eigenschaften. Diese Mörtel werden als „Isoliermörtel“ vertrieben.





Beton ist ein Gemisch aus Kies, Sand, Wasser und Zement. (Bild: Zurijeta / Shutterstock.com)

Beton ist ein Gemisch aus Kies, Sand, Wasser und Zement. (Bild: Zurijeta / Shutterstock.com)

Beton ist ein Gemisch aus Kies, Sand, Wasser und Zement. Kalk wird in Beton nicht verarbeitet. Beton wird in Formen, die sogenannten Schalen, geschüttet und verbleibt dort, bis er hinreichend ausgehärtet ist. Betonmauern oder Betonfundamente können nach einem bis zwei Tagen bereits wieder ausgeschalt werden. Stürze und Betondecken sollte man jedoch mindestens eine Woche lang in der Schalung belassen.

Beton wird mit Matten, Trägern und anderen Eisen zum sogenannten Stahlbeton verbunden. Stahl und Beton ergänzen sich ideal. Der Beton ist druckfest, Stahl hingegen zugfest. Da beide Werkstoffe zudem eine annähernd gleiche Wärmedehnung haben, ist ihre Kombination sehr naheliegend.



Das Verlegen von Baustahlmatten ist ebenfalls keine Arbeit für Laien. Vor allem Decken von Geschossen müssen dauerhaft grosse Spannkräfte aufnehmen. Die von einem Statiker erstellten Pläne müssen unbedingt eingehalten werden. Dies sind keine Bereiche, in denen Sparfüchse gefragt sind. Bei der Frage der Baustahlmatten kann falsche Sparsamkeit sehr schnell zu irreparablen Bauschäden führen, welche einen Abriss des gesamten Gebäudes zur Folge haben können.



Putze sind wiederum ausschliesslich nicht tragende Mörtelschichten, welche aussen oder innen auf eine Mauer aufgebracht werden. Man unterscheidet zwischen Glatt- und Strukturputzen. Glattputze werden verwendet, wenn aus technischen oder optischen Gründen eine glatte Oberfläche benötigt wird. Glattputze, auf welchen beispielsweise tapeziert werden soll, werden auch „Spiegelputze“ genannt. Strukturputze werden häufig im Aussenbereich oder in Treppenhäusern verwendet. Sie können einfach überstrichen werden und setzen einen individuellen optischen Akzent.

Das korrekte Aufbringen von Putz sieht zwar einfach aus, erfordert aber Sachverstand und handwerkliches Geschick. Putze werden nicht aufgetragen oder aufgeschmiert, sondern grundsätzlich angeworfen. Nur ein korrekt angeschleuderter Putz verhakt sich zuverlässig bis in die Fugen und die Poren eines Mauerwerks. Hohlräume zwischen Putz und Wand können vor allem im Aussenbereich schnell zu Frostschäden führen.

Es lohnt sich also, sich mit den korrekten Begrifflichkeiten von Baustoffen auseinanderzusetzen, wenn man in diesem Bereich arbeiten oder Handel treiben möchte. So vermeidet man Missverständnisse und Folgeschäden.



 

Oberstes Bild: © Alison Hancock – Shutterstock.com


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