Drehmaschinen: Rund, glatt, präzise

04.06.2014 |  Von  |  Maschinen
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Drehmaschinen: Rund, glatt, präzise
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Eines der traditionsreichsten Fertigungsverfahren der industriellen Produktion ist das Drehen. Es hat seinen Ursprung in der Holzverarbeitung. Das Drechseln roher Holzstämme zu Rundstangen hat eine Geschichte, welche bis hinter die Römerzeit zurückreicht.

Das Drehen ist quasi das Drechseln von Metall. Das Runddrehen von Metallen entsprang der Bohrtechnik, welche bei der Entwicklung der Artillerie ihren Anfang genommen hat. Tatsächlich geht die erste Drehmaschine auf einen englischen Kanonengiesser zurück. Dieser konnte mit dem Ausdrehen, Polieren und Ziehen von Läufen die Präzision von Geschossflugbahnen wesentlich erweitern.



Als James Watt Anfang des 19. Jahrhunderts die Dampfmaschine erfand, lagen deshalb die notwendigen Fertigungstechniken bereit. Hochpräzise Kolben, Wellen, Lager, Achsen und Stangen, wie sie für die Herstellung von Dampfmaschinen benötigt wurden, konnten mit diesem neuen Verfahren hergestellt werden. Die beim Drehen entwickelten Fertigungsverfahren haben inzwischen aber auch die Verarbeitung von Hölzern und Holzwerkstoffen wieder erreicht. In der Holzverarbeitung wird deshalb heute auch vom „Drehen“ und nicht mehr vom „Drechseln“ gesprochen.

Drehmaschinen liegen in einer grossen Bandbreite an Ausführungen, Baugrössen und Ausstattungen vor. Grundsätzlich geht es beim Drehen stets darum, ein in eine Drehvorrichtung eingespanntes Werkstück durch ein fest stehendes Werkzeug drehend zu bearbeiten. Dies ist einer der wesentlichen Unterschiede zwischen dem Drehen und dem Fräsen: Beim Drehen wird das Werkstück bewegt, beim Fräsen das Werkzeug.

Die wesentlichen Unterschiede bei den Drehmaschinen liegen in ihrer Drehachse. Man unterscheidet zwischen Horizontal- und Vertikal-Drehmaschinen. Die Frage, welches Werkstück auf welcher Drehmaschine bearbeitet wird, ist von seinem Durchmesser abhängig. Schmale Werkstücke sind auf Vertikal-Drehmaschinen gut bearbeitbar. Sie werden dort beidseitig eingespannt, in eine hohe Rotation versetzt und mit Hartmetall-Werkzeugen bearbeitet.

Vertikal-Drehmaschinen sind für breite und grosse Werkstücke besser geeignet. Sie bearbeiten das Werkstück stehend und können die Schwerkraft als Unterstützung für die Sicherung verwenden. Vertikal-Drehmaschinen arbeiten wesentlich langsamer als Horizontal-Drehmaschinen. Bearbeitungszyklen von mehreren Tagen sind bei diesen Maschinen keine Seltenheit. Um die Maschinen dennoch effizient arbeiten lassen zu können, werden die Werkstücke häufig an mehreren Stellen gleichzeitig bearbeitet.



Die Werkzeuge einer Drehmaschine werden fest in einen Werkzeugschlitten eingespannt. Dieser kann das Werkzeug nur in definierten Richtungen bewegen. Mit einer Schraubensteuerung wird mit der Werkzeugführung eine sehr hohe Präzision erreicht.

Gesteuert werden Drehmaschinen manuell oder mittels eines CNC-Programms. In beiden Fällen ist eine Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker sehr zu empfehlen. Man kann sich die notwendigen Kenntnisse auch in Lehrgängen aneignen. Keinesfalls sollte man jedoch unbedarft an einer Drehmaschine tätig werden. Die Verletzungsgefahr ist bei diesen Maschinen enorm. Auch die Beschädigung von Maschine und Werkstück ist beim unsachgemässen Umgang mit einer Drehmaschine quasi unvermeidlich. Mit einer entsprechenden Qualifikation und Erfahrung lassen sich mit einer hochwertigen Drehmaschine hervorragende Produkte herstellen.

 



 

Oberstes Bild: © Hywit Dimyadi – Shutterstock.com


1 Kommentar


  1. Hallo, toller Artikel. Gerade die Herkunft des Verfahrens muss man dem Drehteile Laien erst einmal erklären.
    Die Manuelle Steuerung ist aber eher selten. Präzisionsdrehteile können so nicht gefertigt werden und ganze Baugruppen möchte ich auch nicht von hand bauen…
    liebe Grüsse

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