Der Schleifbock – Standardgerät in jeder Werkstatt

16.07.2014 |  Von  |  Maschinen
Keine Beiträge mehr verpassen? Hier zum Newsletter anmelden!
Der Schleifbock – Standardgerät in jeder Werkstatt
4 (80%)
1 Bewertung(en)

Kaum ein stationäres Gerät ist zuverlässiger in jeder Werkstatt oder Schlosserei anzutreffen als der Schleifbock. Wenn es darum geht, ein Werkstück, Hilfsmittel oder Werkzeug sicher zur entgraten, zu schärfen, zu fasen oder ganz allgemein nachzubearbeiten, ist der Schleifbock das erste Werkzeug der Wahl.

Ein Schleifbock ist recht einfach aufgebaut. Auf einem Grundgestell aus massivem Stahlguss ist ein gekapselter Elektromotor angebracht. Mit einer durchgehenden Welle werden eine oder zwei Schleifscheiben angetrieben. Schleifböcke mit einem übersetzten Antrieb werden hauptsächlich bei sehr grossen Schleifscheiben verwendet. Die Übersetzung geschieht meist mittels eines einfachen Treibriemens. Ein aufwändiges Getriebe ist bei diesen Maschinen zumeist nicht sinnvoll unterzubringen. Zum einen verteuert es das gesamte Werkzeug, zum anderen vertragen sich die ineinandergreifenden Zahnräder eines Getriebes nicht gut mit einer Atmosphäre, die permanent mit Schleifstaub angereichert ist.



Man unterscheidet zwischen freistehenden Schleifböcken und Tischgeräten. Freistehende, sogenannte „Säulenschleifböcke“, werden häufig unmittelbar neben Bearbeitungsmaschinen wie Fräsen, Bohrautomaten oder Sägen installiert. Dies ist vor allem in einer manuellen Serienfertigung sinnvoll. So kann der Werkschaffende die Feinarbeiten erledigen, während die Bearbeitungsmaschine schon das nächste Werkstück herstellt.

Weiterhin unterscheidet man zwischen Einfach- und Doppelschleifböcken. Einfachschleifböcke haben nur eine angetriebene Schleifscheibe. In kleinen Ausführungen ist diese Bauart sehr selten anzutreffen. Sie werden meistens als Doppelschleifböcke angeboten, bei denen der Motor zentral zwischen den beiden angetriebenen Schleifscheiben sitzt. Mit einer geschickten Auswahl der Schleifscheiben kann die serielle Bearbeitung eines Werkstücks auf einem Doppelschleifbock weiter optimiert werden. Die Kombination einer groben und einer feinen Schleifscheibe oder eines Poliersteins und einer Bürste können aus einem groben Werkstück schnell ein brauchbares Produkt machen.

Schleifscheiben. (Bild: amnachphoto / Shutterstock.com)

Schleifscheiben. (Bild: amnachphoto / Shutterstock.com)

Doppelschleifböcke sind auch aus einem anderen Grund sehr effizient: Der höchste Energieverbrauch eines Schleifbockes entsteht beim Anlassen. Sind die Schleifscheiben einmal in Rotation versetzt, hält die Schwungmasse die Drehung aufrecht. Bei zwei Schleifscheiben verdoppelt sich entsprechend die Schwungmasse. Die nicht genutzte Schleifscheibe unterstützt bei der Bearbeitung deshalb stets die Aufrechterhaltung der Drehzahl, auch wenn an der anderen Schleifscheibe ein Werkstück bearbeitet wird. Der Elektromotor muss nur noch die Differenz zwischen dem Schwung und dem Reibungsverlust aufrechterhalten. Schleifböcke sind deshalb besonders effizient, wenn sie permanent laufen. Will man sie in dieser Weise einsetzen, sollten sie aber über eine vollständige Kapselung der Schleifscheiben verfügen. Die Hersteller bieten heute sehr intelligente Lösungen mit verschiebbaren Klappen an.



Schleifböcke sind einfache, aber nicht ganz ungefährliche Arbeitsmittel. Eine gute Kapselung der rotierenden Schleifscheiben ist das wichtigste Sicherheitsfeature an diesen Maschinen. Vor der rotierenden Schleifscheibe ist bei Schleifböcken eine Auflage angebracht. Diese nimmt das Werkstück auf und erlaubt dem Bediener, es mit der notwendigen Sorgfalt an die Schleifscheibe zu führen. Ob auf einer Werkbank oder über eine Säule direkt am Hallenboden: Die feste Verschraubung des Werkstücks muss in jedem Fall gewährleistet sein.



Schleifböcke können sehr gut für alle Arten von schleifbaren Produkten eingesetzt werden. Allerdings sind die Ergebnisse in ihrer Qualität und Präzision nicht mit automatisierten Schleifprozessen vergleichbar. Schleifböcke eignen sich zum Entgraten von ausgebrannten Metallplatten oder druckgusserzeugten Produkten. Ebenso sind sie gut zum Nachschleifen von Meisseln oder Schraubenziehern geeignet. Mit Bürsten ausgestattete Schleifböcke können gut zum Reinigen von mit Farbe, Klebstoff oder Harz verschmutzten Werkzeugen verwendet werden. Auch Polierarbeiten, die keine weitere Präzision erfordern, sind gut auf Schleifböcken durchführbar. In einer Serienfertigung steht der Schleifbock aber meistens in der Mitte der Produktionskette. Auf ihm werden die Produkte für die weitere, präzisere Arbeit vorbereitet. Die einzige Ausnahme bilden die Schleifböcke, wie sie in Schleifereien für Edelsteine verwendet werden. Um mit diesen sicher umgehen zu können, ist allerdings auch eine jahrelange Ausbildung und Erfahrung notwendig.

Um an einem Schleifbock sicher arbeiten zu können, ist eine gründliche Einweisung erforderlich. Das Wichtigste ist, dass an einem Schleifbock nur mit zulässigen Handschuhen gearbeitet werden darf. Normale Arbeitshandschuhe sind bei Schleifböcken sehr gefährlich, da die Schleifscheibe den Handschuh samt Hand jederzeit erfassen kann. Dann drohen sehr gefährliche Verletzungen, die zum Verlust eines Fingers oder einer ganzen Hand führen können. Ebenso muss die Kleidung insgesamt enganliegend sein. Auch muss mit Hilfe von Haarnetzen gewährleistet sein, dass keine Kopfhaare sich im Schleifbock verfangen können. Ebenso darf niemals ohne Augenschutz an einem Schleifbock gearbeitet werden.



Schleifböcke produzieren enorme Mengen an Schmutz. Nicht nur das abgetragene Material wird zu feinem Staub verarbeitet. Auch die Schleifscheibe selbst trägt sich allmählich ab. Deshalb gehört die gründliche Reinigung des gesamten Arbeitsplatzes zu den täglichen Pflichten. Auch die nähere Umgebung des Schleifbocks muss täglich gereinigt werden. Besonders Metallstäube können an elektrischen Anlagen grosse Schäden verursachen, indem sie für Kurzschlüsse sorgen können.

Die Metallstäube setzen sich innerhalb des Schleifbocks als Plaques ab. Auch diese müssen gelegentlich entfernt werden. Der allmähliche Abtrag der Schleifscheibe kann zudem für eine Unwucht sorgen. Diese macht sich durch ein Schlagen des Schleifbockes bemerkbar. Man kann diese mit Hilfe spezieller Werkzeuge wieder ausgleichen. Ist dies nicht mehr möglich, sollte die Schleifscheibe ausgetauscht werden.

Ob Schlosserwerkstatt oder Hobbykeller, ein Schleifbock kann die Qualität der Ergebnisse stets verbessern und den allgemeinen Arbeitsworkflow in Gang halten.



 

Oberstes Bild: © benjaminnolte – Shutterstock.com


Ihr Kommentar zu:

Der Schleifbock – Standardgerät in jeder Werkstatt

Für die Kommentare gilt die Netiquette! Erwünscht sind weder diskriminierende bzw. beleidigende Kommentare noch solche, die zur Platzierung von Werbelinks dienen. Die Agentur belmedia GmbH behält sich vor, Kommentare ggf. nicht zu veröffentlichen.